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Dr. Stephan Hofmeister: „Vertrauensvorschuss aufgebraucht.“

„Der im Sommer noch gewährte Vertrauensvorschuss der Freien Berufe ist aufgebraucht. Ein Stimmungsaufschwung bleibt aus, stattdessen wächst die Ernüchterung. Das zeigt die aktuelle Umfrage deutlich: Knapp die Hälfte der befragten Freiberuflerinnen und Freiberufler bewertet ihre Geschäftslage als gut, zugleich bleibt der Blick nach vorn gedämpft. Knapp ein Viertel rechnet in den kommenden sechs Monaten mit einer Verschlechterung der Geschäftsentwicklung. Die gesamtwirtschaftliche Lage wirkt sich damit inzwischen spürbar auf die Freien Berufe aus“, so BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister.

„Die Befragten gehen weiterhin davon aus, dass ihre freiberufliche Tätigkeit maßgeblich von den politischen Rahmenbedingungen abhängt. Freie Berufe brauchen klare, verlässliche Leitplanken statt ständige Eingriffe. Nur mit Planungssicherheit und beruflicher Freiheit können sie ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl gerecht werden.

Deutschland braucht mehr denn je resiliente Strukturen aus Freien Berufen und Mittelstand. Es sind standorttreue Einheiten, die nicht verschwinden, nicht weiterziehen, persönlich haften und sichtbar Verantwortung übernehmen. Umso problematischer ist, dass sie zunehmend unter Druck geraten: auf der einen Seite durch eine politische Steuerungslogik mit Fokus auf große Unternehmen, auf der anderen Seite durch wachsenden Investorendruck. Dieser fördert Konzentration und Anonymisierung, verschiebt Entscheidungen von langfristiger Verantwortung hin zu kurzfristigen Renditezielen und schwächt damit Strukturen, die für Versorgungssicherheit, Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt gerade in Krisenzeiten unverzichtbar sind. In der politischen Praxis fehlt es bislang an einer konsequent mittelstandsgerechten Ausrichtung. Der BFB sowie die Kammern und Verbände der Freien Berufe begleiten die Bundesregierung konstruktiv-kritisch und bringen die Perspektive der Praxis ein. Erforderlich ist jetzt eine Politik, die den standorttreuen Mittelstand in den Mittelpunkt stellt.

Trotz der angespannten Lage plant noch jede beziehungsweise jeder Achte, in den kommenden zwei Jahren neues Personal einzustellen, rund sieben von zehn Befragten wollen ihren Mitarbeiterstamm stabil halten. Diese Zahlen sprechen dafür, dass sich der positive Beschäftigungstrend in den Freien Berufen fortsetzt. Zwischen dem 1. Januar 2024 und dem 1. Januar 2025 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 1,45 Prozent gestiegen.“

Ergebnisse der BFB-Konjunkturumfrage Winter 2025 im Einzelnen: 

Aktuelle Geschäftslage
Ihre aktuelle Geschäftslage schätzen 44,4 Prozent der befragten Freiberuflerinnen und Freiberufler als gut ein, 42,4 Prozent als befriedigend und 13,2 Prozent als schlecht. Verglichen mit den Vorjahreswerten verbessert sich die Stimmung nur leicht: Im Winter 2024 beurteilten 40,8 Prozent der Befragten ihre Lage als gut, 43,6 Prozent als befriedigend und 15,6 Prozent als schlecht.

Insgesamt bewerten die befragten Freiberuflerinnen und Freiberufler ihre aktuelle Lage nur in Teilen besser als im Vorwinter. Allerdings zeigt sich ein differenziertes Bild: Nur die rechts, steuer- und wirtschaftsberatenden Freiberuflerinnen und Freiberufler beurteilen ihre Lage mehrheitlich als gut. Danach folgen die technisch-naturwissenschaftlichen Berufe und die Kulturberufe. Gedämpfter ist die Stimmung bei den freien Heilberufen.

Sechs-Monats-Prognose
9,4 Prozent erwarten eine günstigere Entwicklung, 66,3 Prozent einen gleichbleibenden und 24,3 Prozent einen ungünstigeren Verlauf. Auch hier veränderten sich die Werte gegenüber dem Vorwinter. 10,5 Prozent rechneten seinerzeit mit einer günstigeren, 62,7 Prozent mit einer gleichbleibenden und 26,8 Prozent mit einer ungünstigeren Entwicklung. Da aktuell deutlich mehr Freiberuflerinnen und Freiberufler einen ungünstigeren statt einen günstigeren Verlauf befürchten, ergibt sich eine negative Geschäftserwartung.

Konjunkturbarometer
Die aktuelle Geschäftslage wird von den Freien Berufen deutlich besser bewertet, als dies gesamtwirtschaftlich der Fall ist. Allerdings sind die Geschäftserwartungen der Freien Berufe gleichermaßen negativ, wie es auch die Gesamtwirtschaft abbildet. Hieraus ergibt sich – im Gegensatz zur Gesamtwirtschaft – ein positives Geschäftsklima.

Personalplanung
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Anteil derer, die davon ausgehen, innerhalb der nächsten zwei Jahre mehr Beschäftigte in ihrem Unternehmen zu haben, um 0,4 Prozentpunkte auf 12,6 Prozent leicht erhöht. Gleichzeitig ist auch der Anteil derer, die damit rechnen, weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beschäftigen, um 3,5 Prozentpunkte auf 16,6 Prozent gefallen. Mit einem gleichbleibenden Mitarbeiterstamm rechnen 70,8 Prozent der Befragten. Hier ergibt sich eine Zunahme um 3,1 Prozentpunkte.

Die freiberufliche Selbstständigkeit beeinflussende Faktoren
Hier rangieren die politischen Rahmenbedingungen weiterhin auf Platz eins, die ausreichende Auskömmlichkeit auf Platz zwei, gefolgt von den Einwirkungen der Digitalisierung auf die freiberuflichen Geschäftsfelder.

Über die Umfrage
Repräsentative Umfrage des Instituts für Freie Berufe (IFB) im Auftrag des BFB vom 22. September bis 2. November 2025 unter rund 1.500 Freiberuflerinnen und Freiberuflern zur Einschätzung ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage, der voraussichtlichen Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten, ihrer Personalplanung und digitaler Prozessoptimierung.