Berlin, 23. Juni 2026. Der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) begrüßt die bekannt gewordenen Vorschläge der Rentenkommission ausdrücklich als wichtigen Beitrag zur Zukunft der Alterssicherung. Zugleich warnt der Verband, der für 1,5 Millionen Betriebe in Deutschland steht, davor, die Reform durch Scheinlösungen für bislang nicht pflichtversicherte Selbstständige zu gefährden.
Die demografische Entwicklung setzt das bestehende System zunehmend unter Druck. Umso wichtiger ist es, die richtigen Vorschläge jetzt konsequent umzusetzen und nicht zu verwässern. Das erwarten auch die 6,3 Millionen Erwerbstätigen in und bei den Freien Berufen in Deutschland. Die Ankündigung des Bundeskanzlers und der Bundesarbeitsministerin sind insofern zu begrüßen.
„Die Kommission gibt wichtige Impulse. Die Abschaffung der Rente mit 63, die Stärkung des Nachhaltigkeitsfaktors und die weitere Öffnung für kapitalgedeckte Elemente in der gesetzlichen Rentenversicherung gehen grundsätzlich in die richtige Richtung“, sagt BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister. „Jetzt kommt es darauf an, die wesentlichen Vorschläge umzusetzen und die Reform nicht in politischen Detaildebatten zu zerreden.“
Gleichzeitig warnt der BFB, der auch Sozialpartner ist, vor überzogenen Erwartungen. Die Vorschläge seien ein wichtiger Schritt, würden die strukturellen Herausforderungen aber nicht allein lösen.
„Der Generationenkonflikt wird immer sichtbarer. Mit Blick auf die demografischen Entwicklungen versuchen wir derzeit, ein Feuer mit Wasserflaschen zu löschen“, so Hofmeister. „Die Reform ist notwendig, sie wird unser Alterssicherungssystem aber nicht allein retten.“
Selbstständige verlässlich absichern
Rund 40 Prozent aller Selbstständigen in Deutschland sind Freiberuflerinnen und Freiberufler. Viele von ihnen verfügen bereits heute über leistungsfähige und eigenverantwortlich finanzierte Altersvorsorgesysteme.
„Selbstständige brauchen eine Alterssicherungspflicht. Darüber besteht kaum Streit“, erklärt Hofmeister.
„Deutschland verfügt bereits über funktionierende Systeme, insbesondere die berufsständischen Versorgungswerke. Insofern ist es ein positives Signal, dass die Kommission diese Überzeugung teilt. Falsch wäre jedoch die Vorstellung, alle nicht obligatorisch versicherten Selbstständigen müssten in die gesetzliche Rentenversicherung überführt werden.“
Positiv bewertet der BFB, dass die Kommission den Vertrauensschutz für bestehende Vorsorgelösungen ausdrücklich berücksichtigt und die Bedeutung einer mehrsäuligen Altersvorsorge anerkennt. Auch die stärkere Berücksichtigung kapitalgedeckter Elemente sei grundsätzlich richtig.
Kritisch bewertet BFB-Präsident Hofmeister die Vorschläge der Kommission zum Umgang mit Minijobs. „Dass Minijobs ihren Sonderstatus verlieren sollen, wird zur Folge haben, dass sie de facto abgeschafft werden. Auch wenn der Vorschlag ordnungspolitisch gut begründet ist, müssen die Auswirkungen auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen im Vorfeld abgewogen werden“, so der BFB-Präsident.
Politik muss Interessen aller Generationen abwägen
Der BFB unterstützt die Vorschläge der Kommission als wichtige Grundlage für die weitere Meinungsbildung. Die Entscheidungen müssten nun die demokratisch legitimierten politischen Akteurinnen und Akteure treffen. „Abwägung zwischen den Interessen heutiger und künftiger Generationen ist eine politische Aufgabe“, so Hofmeister. „Die Koalition muss jetzt den Mut haben, tragfähige Entscheidungen zu treffen. Dabei dürfen weder die junge Generation noch die Selbstständigen aus dem Blick geraten.“
Eine nachhaltige Rentenreform brauche mehr Kapitaldeckung, längere Erwerbsbeteiligung, verlässliche Rahmenbedingungen für Selbstständige und den Schutz funktionierender Vorsorgesysteme. „Die Freien Berufe tragen Verantwortung für Millionen Menschen in Deutschland. Sie verdienen eine Rentenpolitik, die auf Vernunft, Generationengerechtigkeit und Vertrauen setzt“, sagt Hofmeister.
Über den BFB:
Der Bundesverband der Freien Berufe e. V. (BFB) vertritt als einziger Spitzenverband der freiberuflichen Kammern und Verbände die Interessen der Freien Berufe, darunter sowohl Selbstständige als auch Angestellte, in Deutschland. Allein die rund 1,49 Millionen selbstständigen Freiberuflerinnen und Freiberufler steuern rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Sie beschäftigen knapp 4,8 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – darunter knapp 129.000 Auszubildende. Die Bedeutung der Freien Berufe für Wirtschaft und Gesellschaft geht jedoch weit über ökonomische Aspekte hinaus: Die Gemeinwohlorientierung ist ein Alleinstellungsmerkmal der Freien Berufe.
Der BFB online:
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Podcast „Klotzki und Sigmund“: https://open.spotify.com/show/3kou6SA60SDyUpDbZVdm9e
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