Berlin, 11. August 2026. Weiterhin entscheiden sich zahlreiche junge Menschen für eine Ausbildung bei den Freien Berufen, beispielsweise als Medizinische Fachangestellte oder Rechtsanwaltsfachangestellter. Zum Stichtag 30. Juni 2026 registrierten die Kammern der Freien Berufe 25.825 neue Ausbildungsverträge, ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) wertet die Zahlen als Vertrauensbeweis in eine Ausbildungsform, die jungen Menschen frühe Verantwortung und klare Perspektiven bietet.
„Wer früh Verantwortung übernehmen will, findet bei den Freien Berufen eine Perspektive fürs Leben“, sagt Peter Klotzki, BFB-Hauptgeschäftsführer. „Diese Bereitschaft ist ein starkes Signal für unser Gemeinwohl.“ Trotz der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse setzen sich Freiberuflerinnen und Freiberufler wie Ärzte, Anwältinnen, Ingenieure, Architektinnen und Psychotherapeuten für ihre Fachkräfte ein.
Das Statistische Bundesamt vermeldete derweil am 6. August einen Negativtrend von 2,8 Prozent über alle Ausbildungsbereiche hinweg (Zahlen für das Jahr 2025).
Wohnraum für Azubis
Damit die positive Entwicklung bei den Freien Berufen anhält, brauchen die freiberuflichen Ausbilderinnen und Ausbilder verlässliche Rahmenbedingungen. „Die berufliche Bildung muss gestärkt und aufgewertet werden“, so Klotzki. „Sie braucht echte Zeichen der Wertschätzung und finanzielle Förderung vergleichbar mit der der akademischen Ausbildung.“ Ein Beispiel sei die im Jahr 2024 gestartete Pilotförderung “Begabte Auszubildende und Fachkräfte in der Förderung der Begabtenförderungswerke (BAFF)”.
Der BFB fordert, dieses Pilotprogramm unter anderem für Auszubildenden-Stipendien über die geplante Laufzeit hinaus fortzuführen. „Der im Herbst 2026 startende Stipendiatenjahrgang könnte der letzte sein. Das wäre ein schlechtes Zeichen für die Wertschätzung beruflicher Bildung”, betont Klotzki. “Programme wie diese waren längst überfällig. Sie zu erhalten und auszubauen ist das Mindeste für eine starke Berufsbildung in Deutschland.”
Der BFB hält es für zwingend erforderlich, die Förderung von Auszubildenden in bislang studiengebundenen Förderwerken weiterzuführen, gezielt zu erproben und anschließend dauerhaft zu verankern. Auch sei wichtig, dass Bund und Land Lösungen für zu wenig Azubi-Unterkünfte fänden. Azubiwohnheime wie eines, das gerade in Berlin entsteht, seien ein entscheidender Teil der Lösung.
Politik am Zug
Der Fachkräftemangel bleibt real, der Wettbewerb um Nachwuchs wächst. „Wer den Fachkräftemangel ernsthaft bekämpfen will, muss jetzt handeln: mit weniger Bürokratie, mehr Berufsorientierung an Schulen und einer auskömmlichen Finanzierung der beruflichen Bildung“, so Klotzki.
Der BFB fordert zudem gezielte Maßnahmen zur Gewinnung und Integration junger Menschen, auch aus dem Ausland, eine Modernisierung der Ausbildungsberufe sowie mehr digitale Kompetenzen an beruflichen Schulen. Nur so können kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe wie die der Freien Berufe auch künftig genügend Fachkräfte ausbilden.
„Die steigenden Zahlen zeigen: Immer mehr junge Menschen sind bereit, bei den Freien Berufen Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen. Jetzt muss die Politik diese Bereitschaft mit verlässlichen Rahmenbedingungen beantworten“, so Klotzki.
Anmerkung: Bei zwei Kammern wurden aufgrund von Systemumstellungen aussagekräftige Vorjahreswerte angesetzt.
Über den BFB:
Der Bundesverband der Freien Berufe e. V. (BFB) vertritt als einziger Spitzenverband der freiberuflichen Kammern und Verbände die Interessen der Freien Berufe, darunter sowohl Selbstständige als auch Angestellte, in Deutschland. Allein die rund 1,49 Millionen selbstständigen Freiberuflerinnen und Freiberufler steuern rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Sie beschäftigen knapp 4,8 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – darunter knapp 129.000 Auszubildende. Die Bedeutung der Freien Berufe für Wirtschaft und Gesellschaft geht jedoch weit über ökonomische Aspekte hinaus: Die Gemeinwohlorientierung ist ein Alleinstellungsmerkmal der Freien Berufe.
Der BFB online:
Web: www.freie-berufe.de
LinkedIn: www.linkedin.de/company/bundesverband-der-freien-berufe
Podcast „Klotzki und Sigmund“: https://open.spotify.com/show/3kou6SA60SDyUpDbZVdm9e
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