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Prof. Dr. Ewer: „Situation bleibt kritisch – Perspektiven dringender denn je benötigt“

Der BFB präsentiert die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Freie Berufe (IFB) unter knapp 3.500 selbstständigen Freiberuflern zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in den Freien Berufen und ihre abschließende Bilanz des Corona-Jahres 2020.

 „Jeder vierte Freiberufler zieht für sich eine negative Bilanz für das Corona-Jahr 2020, für drei von vier fällt sie alles in allem passabel aus. In der Konsequenz hat jeder zehnte Befragte aktuell Existenzsorgen“, so BFB-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Ewer zu den Ergebnissen der Umfrage.

Und sagt weiter: „Auch diese Umfrage liefert ein differenziertes Bild: Teile der Freien Berufe arbeiten weit über Anschlag, um die Folgen der Pandemie abzuwehren, demgegenüber bleibt die Lage bei anderen Freiberuflern heikel. Besonders groß ist die Herausforderung für Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern. Überdies bewerten gerade freie Kulturberufe ihre Lage deutlich schlechter als die übrigen Freiberufler. Letztlich sind auch bei den Freien Berufen mehr Mitarbeiter ausgefallen als zuvor: Jeder Dritte verzeichnete höhere Fehlzeiten im Team.

Auch der Blick auf das laufende Jahr bleibt nüchtern, eine knappe Mehrheit erwartet eine Verbesserung ihrer Situation. Dennoch überwiegt die Skepsis über den künftigen Verlauf. Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern sind besonders pessimistisch. Davon bleibt auch das Personaltableau nicht unberührt. Erste Stellen mussten bereits abgebaut werden, weitere rund 200.000 Stellen sind bedroht.

Die Ausnahmesituation dauert nun seit mehr als einem Jahr an. Freiberufler sind typischerweise innovativ. Wo möglich haben sie ihr Leistungsangebot flexibel an die sich verändernden Gegebenheiten angepasst. Überdies hat ein gewisser Gewöhnungseffekt eingesetzt. Dennoch, die Situation der Betroffenen bleibt problematisch. Fragil ist die Marktlage auch für diejenigen, die gut oder eben noch gut durch die Krise kommen. So befürchten Teile der Freiberufler ein durchaus kritisches Marktumfeld aufgrund von Insolvenzen ihrer Auftraggeber und einen Nachhalleffekt durch wegbrechende Aufträge. Als BFB haben wir seit Beginn der Krise darauf hingewirkt, Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen – etwa in puncto Unternehmerlohn oder bei KfW-Krediten – nicht durchs Raster fallen zu lassen. Dies bleibt unvermindert wichtig.

Die politischen Entscheider bleiben umfangreich gefordert: Ein Aspekt ist, bei den Hilfsprogrammen die Bedingungen verständlich, präzise und trennscharf zu formulieren. In unklaren Bedingungen sahen die Befragten das größte Problem. Insgesamt haben vier von zehn Freiberuflern Hilfen beantragt. Überdies sind die Instrumente nachzuschärfen, vor allem zu beschleunigen, wenn dies erforderlich ist. Darüber hinaus gilt es, möglichst viele Stabilisierungsimpulse zu generieren. Es gilt, öffentliche Investitionen zu beschleunigen und auszubauen. Zudem muss die öffentliche Verwaltung ihre Dienstleistungsfunktion verbessern. Schließlich sind Verwaltungsleistungen für die Wertschöpfung existenziell. Jeder Auftrag, jede Genehmigung zählt.

Über alles spannt sich die Herausforderung, Perspektiven aufzuzeigen und durch Verlässlichkeit Zuversicht zu geben. Gerade, weil die Krise mehr und mehr an die Substanz geht und Reserven aufgezehrt werden.“

Ergebnisse

Wirtschaftliche Lage 2020
9,9 Prozent der befragten Freiberufler gaben an, dass ihr Unternehmen sehr stark getroffen wurde, 28,6 Prozent waren stark betroffen, 41,2 Prozent kaum und 20,3 Prozent gar nicht. Infolgedessen stufen 4,5 Prozent der befragten Freiberufler ihre wirtschaftliche Lage 2020 als sehr schlecht, 23,3 Prozent als schlecht, 55,8 Prozent als gut und 16,4 Prozent als sehr gut ein. Besonders betroffen sind zum einen Solo-Selbstständige, hier geben 37,7 Prozent an, dass das vergangene Jahr für sie schlecht oder sogar sehr schlecht verlaufen ist. Zum anderen gilt dies auch für Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern, hier sind es 26,1 Prozent.

Auftragsrückgang
2020 verzeichneten 5,8 Prozent der Befragten einen Auftragsrückgang von mehr als 75 Prozent. Bei 5,3 Prozent liegt er bei über 50 bis 75 Prozent, bei 15,5 Prozent bei über 25 und bis 50 Prozent, bei 28,9 Prozent bei über fünf bis 25 Prozent, bei 44,5 Prozent bei bis zu fünf Prozent.

Existenzbedrohung

Für jeden zehnten Freiberufler ist der bisher entstandene wirtschaftliche Schaden existenzbedrohend, für 90 Prozent nicht. Betroffen sind insbesondere Solo-Selbstständige (19 Prozent) und kleine Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern (7,1 Prozent).

Für das nächste Halbjahr sind die Freiberufler skeptischer: Weitere 18,8 Prozent erwarten, dass der wirtschaftliche Schaden dann für ihr Unternehmen existenzbedrohend wird. Auch hier sind Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern überdurchschnittlich stark betroffen.

Stellenabbau
Rund jeder Zehnte war 2020 gezwungen, Stellen abzubauen. Weitere 200.000 Stellen sind bedroht.

Erwartete Entwicklung für 2021
Diejenigen, bei denen 2020 schlecht gelaufen ist, erwarten mehrheitlich eine Verbesserung in diesem Jahr, 55,1 Prozent. 44,9 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei denjenigen, die ihre Lage als mindestens gut bewerteten, 54,1 Prozent erwarten eine Verbesserung, 45,9 Prozent erwarten eine Verschlechterung.

Fehlzeiten
Jeder Dritte (32,6 Prozent) verzeichnete höhere Fehlzeiten im Team, 67,4 Prozent nicht.

Öffnungsstrategie
Für mehr als die Hälfte ist ein strukturierter Ausstieg aus dem Lockdown wertvoll: 15,8 Prozent bezeichnen eine langfristig angelegte Strategie als sehr hilfreich, 41,6 Prozent als hilfreich, 27,4 Prozent als weniger hilfreich und 15,2 Prozent als nicht hilfreich.

Homeoffice
Die Mehrheit der Befragten lehnt einen Rechtsanspruch auf Homeoffice ab, 29,5 Prozent bezeichnen dies als sehr schlecht, 30,2 Prozent als schlecht, 28,6 Prozent finden das gut, 11,7 Prozent sehr gut. Die Mehrheit der Befragten trägt einen Anspruch, wo möglich, mit. 18,6 Prozent finden das sehr gut, 44 Prozent gut, 21,1 Prozent schlecht und 16,3 Prozent sehr schlecht.

Corona-Hilfen
Vier von zehn Freiberuflern haben Hilfen beantragt (40,7 Prozent), sechs von zehn nicht (59,3 Prozent). Am häufigsten beantragten Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern Unterstützung.

Nutzung
Am häufigsten wurden die anfänglichen Soforthilfen von Bund und Ländern genutzt (70,8 Prozent der insgesamt Beantragenden), Kurzarbeitergeld (38,6 Prozent) und die Überbrückungshilfe III (15,8 Prozent).

Probleme bei der Beantragung
Die fünf häufigsten Probleme waren: (1) Bedingungen zum Erhalt der Hilfe unklar; (2) keine passenden Hilfen gefunden, insbesondere da über lange Zeit keine Kosten für die Lebenshaltung berechtigten; (3) monetärer Umfang der Hilfen geringer als erwartet; (4) Zeitraum zwischen Beantragung und Auszahlung zu groß; (5) Anträge für Hilfen standen nicht früh genug zur Verfügung.

Bewertung
Kurzarbeitergeld fanden 86,9 Prozent hilfreich, Soforthilfen 74,6 Prozent und die Überbrückungshilfe 48,6 Prozent.

Über die Umfrage
Repräsentative Umfrage des Instituts für Freie Berufe (IFB) unter knapp 3.500 selbstständigen Freiberuflern zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in den Freien Berufen, gerade in einem abschließenden Rückblick auf das Corona-Jahr 2020, aber auch zu weiteren Aspekten wie der Nutzung und Bewertung von Hilfsinstrumenten; erhoben und ausgewertet zwischen Anfang Februar und Mitte März 2021.

 

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