Pressemitteilungen

Schmidt: „Positiver Trend bei der Entwicklung der Ausbildungszahlen beendet.“

„Zum 31. März 2023 wurden bei den Kammern der Freien Berufe 11.187 neue Ausbildungsverträge gemeldet, ein Minus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit dehnt sich der Fachkräftemangel auf dem Ausbildungsmarkt weiter aus, wird der Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern auch bei den Freien Berufen immer spürbarer“, so BFB-Präsident Friedemann Schmidt zu den aktuellen Zahlen, die der BFB erhoben hat.

Und sagt weiter: „Dies ist umso gravierender, als dass gerade die Freien Berufe und deren Teams zur Lösung der vielfältigen Zukunftsaufgaben im Zuge der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft dringend gebraucht werden: Sei es für die Energiewende, die Schaffung bezahlbaren Wohnraums oder die Versorgung einer im Zuge des demografischen Wandels immer älter werdenden Bevölkerung. Die Gründe für den Rückgang sind vielschichtig, besonders wirkt die demografische Entwicklung ein. Überdies werden viele Ausbildungsverträge auch erst später im Jahr geschlossen.

Mit dem aktuellen Rückgang um fünf Prozent wird der positive Trend aus 2021 und 2022 mit Zuwächsen von 4,9 und 5,6 Prozent beendet. Überdies liegt der Rückgang über dem durchschnittlichen Rückgang der Gesamtzahl der Auszubildenden in den Freien Berufen zwischen 2010 und 2020, der durchschnittlich 2,1 Prozent betrug. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum gingen die Neuverträge in der Gesamtwirtschaft um 14,5 Prozent zurück. Auch fällt der Rückgang bei den Freien Berufen höher aus als zuletzt vom Statistischen Bundesamt mit minus 2,5 Prozent zum Ende 2022 gemeldet.

Damit dürfte sich die Zahl der offenen Ausbildungsstellen bei den Freien Berufen nochmals vergrößert haben. Im Herbst 2022 ergab eine Umfrage des Instituts für Freie Berufe für den BFB, dass 46.000 Ausbildungsstellen unbesetzt sind, gemessen an der Gesamtzahl der Auszubildenden in den Freien Berufen klafft hier also eine Lücke von 36 Prozent.

Die duale Berufsausbildung bleibt auch für die Freien Berufe zentraler Baustein bei der Fachkräftesicherung. Der Einsatz der ausbildenden Freiberuflerinnen und Freiberufler sowie deren Kammern und Verbände ist enorm, sie geben keine Jugendliche, keinen Jugendlichen verloren. Auch der BFB setzt seine Engagements fort und baut diese aus, im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung auch mit weiteren Partnerinnen und Partnern. Gemeinsam arbeiten sie an der dritten Auflage des „Sommers der Berufsausbildung“, einer Kampagne, mit der junge Menschen für die duale Berufsausbildung begeistert werden sollen.

Wichtig bleibt, die Berufsorientierung an allen Schulformen auszubauen. Beispielsweise bei Projektwochen zur Berufsorientierung in den Schulen, hier können junge Menschen direkt angesprochen und über die Ausbildung bei den Freien Berufen informiert werden. Um die Berufsorientierung zu verfestigen, muss sie wie auch die Berufsvorbereitung in der Ausbildung der angehenden Lehrerinnen und Lehrer verankert werden. Zudem ist es wichtig, den Ressourcenverbrauch zu verringern, etwa indem Misstrauensbürokratie in Form von Dokumentationspflichten abgebaut wird.

Die Freien Berufe sind attraktive und verlässliche Ausbildende, die jungen Menschen beste Perspektiven in einer Zukunftsbranche bieten. Die Kammern der Freien Berufe haben branchenspezifische Kampagnen zur Bewerbung ihrer jeweiligen Ausbildungsberufe gestartet. Um die Attraktivität der dualen Ausbildung zu erhöhen, spielt auch die Wohnungssituation eine große Rolle. So sollten Unterstützungsangebote für Auszubildende auf kommunaler Ebene gefördert werden, etwa durch vergünstigten Wohnraum. Gleichzeitig muss die bestehende Infrastruktur von Berufsschulen erhalten bleiben und ausgebaut werden.“