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Dr. Stephan Hofmeister: „Warnsignale statt Aufbruchstimmung“

„Die Ergebnisse unserer Umfrage sind ein klares Warnsignal. Die Stimmung unter den Freien Berufen hat sich gegenüber dem Vorjahr spürbar verschlechtert: Nicht einmal jede beziehungsweise jeder Zwölfte rechnet für die kommenden sechs Monate mit einer günstigeren Entwicklung, während fast vier von zehn Befragten eine weitere Verschlechterung erwarten. Auch die aktuelle Geschäftslage wird kritischer bewertet: Der Anteil negativer Einschätzungen kletterte innerhalb eines Jahres um drei Prozentpunkte auf 20,5 Prozent“, so BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister.

Und sagt weiter: „Die Freien Berufe haben sich lange als widerstandsfähig erwiesen. Doch die anhaltende wirtschaftliche Schwäche hinterlässt Spuren und macht zunehmend mürbe. Die Zuversicht auf eine baldige wirtschaftliche Trendwende schwindet. Beim Blick auf die künftige Personalentwicklung zeigt sich eine gewisse Vorsicht. 12,4 Prozent der befragten Freiberuflerinnen und Freiberufler rechnen damit, in zwei Jahren mehr Mitarbeitende zu beschäftigen als heute. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 14,1 Prozent. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels verdeutlicht dies die zurückhaltenden Erwartungen der Freien Berufe.

Wenn die Freien Berufe bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen fordern, geht es auch darum, die Versorgung, Beratung und Begleitung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen zu sichern. Dafür braucht Deutschland einen klaren wirtschafts- und ordnungspolitischen Kurs: mehr Leistungsfähigkeit, wirtschaftliche Dynamik und Planungssicherheit statt neuer Belastungen.

Wir erkennen an, dass die Bundesregierung bei einzelnen Vorhaben wichtige Anliegen der Freien Berufe aufgegriffen hat, etwa beim Fremdbesitzverbot für Steuerberaterinnen und Steuerberater oder bei der Vergabebeschleunigung. Zugleich kritisieren wir Entscheidungen, die den gesamten Mittelstand treffen – etwa bei der Tariftreue oder bei der Aktivrente, die bislang nur Angestellte erfasst. Kritisch sehen wir auch, dass zugesagte Unterstützung bei der Begabtenförderung für Auszubildende und Fachkräfte, insbesondere beim Stipendienprogramm ‚Talente in der Ausbildung, sowie beim Mutterschutz für Selbstständige und beim Elterngeld nun mit Verweis auf den knappen Haushalt zu kippen droht.

Deutschland braucht keine Ankündigungen, sondern umsetzbare Reformpakete, die wirken. Sie müssen Bürokratie abbauen, Planungssicherheit gewährleisten, Vertrauen schaffen und die Versorgung sichern. Vorhaben, die neue Belastungen auslösen, bewährte Strukturen schwächen oder ohne ausreichende Einbindung der Praxis entstehen, erfüllen diesen Anspruch nicht. Dazu gehört auch eine Gesetzgebung, die auf Qualität und Beteiligung setzt. Seit Jahren beobachten wir immer kürzere Stellungnahmefristen in Gesetzgebungsverfahren. Das erschwert eine sorgfältige fachliche Mitwirkung der betroffenen Verbände und erhöht das Risiko praxisferner Regelungen. Wer tragfähige Reformen will, muss die Expertise der Praxis frühzeitig einbinden.“

Ergebnisse der BFB-Konjunkturumfrage Sommer 2026 im Einzelnen:

Aktuelle Geschäftslage
Die aktuelle Geschäftslage wird von 36,4 Prozent der befragten Freiberuflerinnen und Freiberufler als gut eingeschätzt. Weitere 43,1 Prozent bewerten sie als befriedigend und 20,5 Prozent als schlecht. Verglichen mit den Vorjahreswerten verschlechtert sich die Stimmung: Im Sommer 2025 beurteilten 39,5 Prozent der Befragten die Lage als gut, 43 Prozent als befriedigend und 17,5 Prozent als schlecht.

Lediglich die rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Berufe bewerten ihre aktuelle Lage etwas günstiger als im Vorsommer. Verhaltener fällt die Einschätzung bei den technisch-naturwissenschaftlichen Freien Berufen aus, gefolgt von den freien Heilberufen und den freien Kulturberufen.

Sechs-Monats-Prognose
8,3 Prozent der Befragten rechnen für das kommende Halbjahr mit einer günstigeren Entwicklung. 52,8 Prozent gehen von einer gleichbleibenden und 38,9 Prozent von einer sich verschlechternden Lage aus. Hier zeigen sich deutliche Veränderungen zu den Vorjahreswerten, als 10,9 Prozent eine positive, 59,2 Prozent eine gleichbleibende und 29,9 Prozent der Befragten eine negative Zukunftsprognose abgaben.

Personalplanung
12,4 Prozent der befragten Freiberuflerinnen und Freiberufler gehen davon aus, in zwei Jahren eher mehr Mitarbeitende zu beschäftigen als heute. 66,1 Prozent erwarten einen gleichbleibenden Mitarbeiterstamm und 21,5 Prozent gehen von einem Rückgang aus. Im Vorjahr gingen 19,4 Prozent davon aus, in zwei Jahren weniger Mitarbeiter zu haben, und 14,1 Prozent erwarteten einen Zuwachs.

Konjunkturbarometer
Insgesamt wird die aktuelle Geschäftslage von den Freien Berufen besser bewertet als dies gesamtwirtschaftlich der Fall ist. Ebenso wie im Vorjahr werden die Geschäftserwartungen aber negativ bewertet. Dies ist auch gesamtwirtschaftlich gesehen der Fall, wobei die Freien Berufe hier noch etwas pessimistischer in ihrer Bewertung sind als andere Wirtschaftszweige. Aufgrund dieses Pessimismus in der aktuellen Geschäftslage ergibt sich ein negatives Geschäftsklima, welches sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert hat.

Auslastung
Aktuell geben 31 Prozent der Befragten an, überausgelastet zu sein. Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozentpunkte verringert. Mit 42,2 Prozent gibt der Großteil der teilnehmenden Freiberuflerinnen und Freiberufler an, zu mehr als 75 bis 100 Prozent ausgelastet zu sein. Weitere 13,8 Prozent der Befragten geben an, zu mehr als 50 bis 75 Prozent ausgelastet zu sein. Bei 6,8 Prozent der Teilnehmenden liegt die Auslastung zwischen mehr als 25 bis 50 Prozent und 6,2 Prozent sind bis zu 25 Prozent ausgelastet.

Perspektivische Auslastung
Von denjenigen, die noch nicht überausgelastet sind, erwarten 8,2 Prozent, binnen der kommenden sechs Monate, und 10,5 Prozent, innerhalb der nächsten zwei Jahre über 100 Prozent ausgelastet zu sein. Diese Werte lagen im Sommer 2025 bei 8,5 und 12,8 Prozent.

Die freiberufliche Selbstständigkeit beeinflussende Faktoren
Die Befragten gehen auch weiterhin davon aus, dass ihre freiberufliche Tätigkeiten am meisten von politischen Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Als zweitwichtigster Faktor wird die ausreichende Auskömmlichkeit der Tätigkeit identifiziert, darauf folgen an dritter Stelle die Einwirkungen der Digitalisierung auf das eigene Geschäftsfeld.

Über die Umfrage:
Repräsentative Umfrage des Instituts für Freie Berufe (IFB) im Auftrag des BFB vom 16. März bis 26. April 2026 unter rund 2.900 Freiberuflerinnen und Freiberuflern zur Einschätzung ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage, der voraussichtlichen Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten sowie ihrer Personalplanung und Auslastung.