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Gemeinsame Veranstaltung mit dem OECD Berlin Centre

In puncto Gründerinnenlandschaft kommt Freiberuflerinnen eine besondere Rolle zu: In Freien Berufen sind 53,7 Prozent der Gründenden weiblich, ein Wert der verglichen mit der gesamten Wirtschaft deutlich nach oben abweicht. Alle Eingebundenen waren sich darin einig, dass Vorbilder stärken und Erfolgsgeschichten erzählt werden sollen, um Mut und Lust auf Selbstständigkeit zu machen.

„Welche Politik stützt Gründerinnengeist?“ Mit diesem Titel der gemeinsamen Veranstaltung des BFB mit dem OECD Berlin Centre wurde der bisher gängige Begriff des Gründergeistes auf eine Zielgruppe, gründende Frauen, zugeschnitten. Auf die Titelfrage gab es am 10. Oktober 2022 zahlreiche und vielfältige Antworten, die vor knapp 100 zugeschalteten Interessierten und zwei Dutzend Vor-Ort-Gästen entwickelt wurden, vertreten waren zudem einzelne Bundesministerien und Verbände aus dem BFB-Netzwerk.

In puncto Gründerinnenlandschaft kommt Freiberuflerinnen eine besondere Rolle zu, sie können Vorbild sein. Denn Frauen, die ihre Karriereoption in der freiberuflichen Selbstständigkeit sehen, liegen voll im Trend: In Freien Berufen sind 53,7 Prozent der Gründenden weiblich, wie das Institut für Mittelstandsforschung Bonn berechnet. Eine Zahl, die sich zumindest verstetigen dürfte. Denn die Zahl der gut ausgebildeten Frauen in der Bevölkerung, speziell der Akademikerinnen, steigt tendenziell. Hiervon profitieren die Freien Berufe ganz besonders, da circa 80 Prozent der Freien Berufe selbst ein Hochschulstudium absolviert haben. Überdies ist in den meisten Freien Berufen die Selbstständigkeit insbesondere durch die unabhängige Berufsausübung vorprogrammiert, weil viele Berufsbilder per se auf eine selbstständige Ausübung angelegt sind.

Dr. Nicola Brandt, Leiterin des OECD Berlin Centre, begrüßte die Anwesenden und Zugeschalteten bei der hybriden Veranstaltung in Berlin-Mitte. BFB-Präsident Friedemann Schmidt unterstrich in seiner Einleitung, dass es „empfehlenswert und notwendig ist, einzelne Potenziale in den Blick zu nehmen, spezifische Herausforderungen zu identifizieren und gezielte Impulse zu formulieren. Denn die hiesige Gründungsdynamik ist weiterhin ausgebremst, auch wenn sich vorerst eine leichte Erholung abzeichnet“.

Aus Paris zugeschaltet war Dr. Céline Kauffmann, OECD Head of the Entrepreneurship, SME and Tourism Division. Sie gab eingangs einen internationalen Überblick über die Gründerinnenlandschaft und ordnete auch die Situation in Deutschland zu. Entlang zahlreicher Beispiele aus dem Ausland präsentierte sie mögliche Impulse und empfahl, das Unternehmertum von Frauen zu vermessen und die Auswirkungen politischer Maßnahmen zu evaluieren.

Moderiert von Dr. Nicola Brandt diskutierte sie anschließend mit Sabine Fuhrmann, Rechtsanwältin und BFB-Vorstandsmitglied, Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, Peter Kranzusch, Institut für Mittelstandsforschung, und Dr. Caroline Gabor, Gründerin sowie Business Angel.

Den von der übrigen Wirtschaft deutlich nach oben abweichenden Wert freiberuflicher Gründerinnen griff auch Sabine Fuhrmann auf. Dieser sei unter anderem damit zu erklären, dass es Freiberuflerinnen besonders liegt, sich zu kümmern, also auch um ihre Patientinnen, Mandanten, Klientinnen und Kunden, und so etwas für die Allgemeinheit zu leisten. Hier ergänzte Peter Kranzusch, dass es einzelne Berufsbilder gerade in den Freien Berufen gibt, in denen Frauen stark vertreten sind, wie etwa in der Psychotherapie oder Publizistik. Er wünschte sich überdies eine Renaissance der Technikaffinität von Frauen, die gerade in Ostdeutschland schon ausgeprägter war.

Dr. Caroline Gabor appellierte an alle, Frauen etwas zuzutrauen und speziell an Frauen, sich selbst auch das Unternehmertum zuzutrauen. Sie arbeitete überdies spezielle Implikationen im Fin-Tech-Bereich heraus.

Dr. Fritzi Köhler-Geib machte sowohl kulturell und gesellschaftlich strukturelle Hürden für Gründerinnen aus. Um den Gründungswunsch von Frauen zu stärken, seien Geschlechterstereotype zu verändern.

Rollenbilder gegen den Strich zu bürsten und gerade mit guten Vorbildern Frauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu bestärken, darin waren sich alle einig. Dies griff auch Sabine Fuhrmann auf und ermunterte alle, positive Gründerinnengeschichten zu erzählen. Sie empfahl zudem mit Blick auf die soziale Absicherung und in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Elterngeld zu optimieren. Hier sei in den Antrags- und Auszahlungsmodalitäten die Arbeitsrealität Selbstständiger besser zu berücksichtigen.

Hinweis
Zu den BFB-Aktivitäten zum Jahresschwerpunkt 2022 „Gründungsdynamik stärken – Nachfolge sichern“ zählen neben dieser Veranstaltung unter anderem eine gemeinsame Positionierung des BFB mit dem Startup-Verband und dem Verband deutscher Unternehmerinnen für eine bessere Vereinbarkeit von Unternehmertum und Familie sowie digitale Gründerinnenkonferenzen im Februar und März 2022. Passend zum Auftakt der Gründerwoche Deutschland 2022 und unter der Schirmherrschaft von Bettina Stark-Watzinger MdB (FDP), Bundesministerin für Bildung und Forschung, findet am 14. November 2022 ab 14:30 Uhr eine weitere Gründerinnenkonferenz des BFB, der Zeitschrift emotion und dieses Mal mit der Friedrich-Naumann-Stiftung in der Allianz-Repräsentanz in Berlin statt. Weitere Informationen folgen bald.

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