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„Freie Berufe blicken selbstbewusst nach vorn, trotz leicht abgeflauter Stimmung“

BFB-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Ewer kommentiert die Ergebnisse der jüngsten BFB-Konjunkturumfrage.

„Die Stimmung ist grundsätzlich gut, wenn auch im Vergleich zum Vorjahressommer etwas abgeflaut: Rund acht von zehn Freiberuflern beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend. Noch mehr blicken selbstbewusst nach vorn: In den kommenden sechs Monaten rechnet rund jeder Fünfte mit einer günstigeren Entwicklung, rund zwei Drittel sehen keine gravierenden Verschiebungen und in etwa jeder Zehnte erwartet eine Verschlechterung. Die Freien Berufe zeigen sich eher unberührt von der allgemein deutlich abgekühlten Stimmung in der deutschen Wirtschaft“, so Prof. Dr. Ewer zu den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage, die das Institut für Freie Berufe (IFB) Nürnberg im Aufrag des BFB im zweiten Quartal 2019 unter knapp 1.700 Freiberuflern zur Einschätzung ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage, der voraussichtlichen Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten, ihrer Personalplanung und Kapazitätsauslastung durchgeführt hat.

Hierzu erklärt er weiter: „Diese Zuversicht schlägt auch auf die Personalplanung durch. 17,2 Prozent der Befragten planen, in zwei Jahren mehr Mitarbeiter zu haben, vor einem Jahr waren es 15 Prozent. Allerdings fürchten mit 13,8 Prozent auch mehr Freiberufler als noch im Vorjahr (10,2 Prozent), dass sie dann eher weniger Mitarbeiter beschäftigen.

Dabei werden sie händeringend gebraucht, bleibt die Nachfrage nach freiberuflichen Dienstleistungen doch ungesättigt. 24,6 Prozent der befragten Freiberufler arbeiten bereits über Anschlag. Das sind noch einmal mehr als im Vorjahr, als 17,4 Prozent mit ihren Kapazitäten bereits über dem Limit lagen.

Die Aufträge werden nicht weniger und das Personal nicht mehr. Diese Kurzformel zeigt die erfreuliche Entwicklung des steigenden Bedarfs an freiberuflichen Vertrauensdienstleistungen, aber auch, dass es den Freien Berufen immer schwerer fällt, ihren Fachkräftebedarf zu decken.

Gefragt nach den Faktoren, die ihre freiberufliche Selbstständigkeit zukünftig am stärksten beeinflussen werden, sind für die meisten Befragten (43,6 Prozent) die politischen Rahmenbedingungen maßgeblich. Hier klammern die Freiberufler natur- , weil erfahrungsgemäß das Brüsseler Parkett nicht aus, da von dort regelmäßig Deregulierungsimpulse kommen. So lässt sich die leicht eingetrübte Stimmung teils auch mit der Unsicherheit über den künftigen Kurs Europas erklären. Und eben mit dem steigenden Fachkräftebedarf, dieser Aspekt folgt auf der Skala: Für jeden Dritten (38,5 Prozent) ist es ausschlaggebend, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden. Diese beiden Aspekte sind für die Freien Berufe am dringendsten, während 18,8 Prozent der Befragten die Einwirkung der Digitalisierung auf ihre Geschäftsfelder als wichtigste Zukunftsherausforderung sehen.“

Ergebnisse der BFB-Konjunkturumfrage Sommer 2019 im Einzelnen:

Aktuelle Geschäftslage
41,5 Prozent der Befragten beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 41,6 Prozent als befriedigend und 16,9 Prozent als schlecht. Im Vergleich zu den Sommer-Werten 2018 eine Eintrübung. Damals lagen die Werte bei 53,8 Prozent (gut), 34,8 Prozent (befriedigend) und 11,4 Prozent (schlecht).

Aufgefächert nach den einzelnen Freiberufler-Gruppen ergibt sich folgendes Bild:
Die befragten technisch-naturwissenschaftlichen Freiberufler sind zufrieden, gefolgt von den steuer- und wirtschaftsberatenden Freiberuflern und den freien Kulturberufen. Die freien Heilberufe sind verhaltener.

Sechs-Monats-Prognose
Für das kommende Halbjahr erwarten 21,4 Prozent der Befragten eine günstigere, 67,2 Prozent eine gleich bleibende und 11,4 Prozent eine ungünstigere Entwicklung. Hier verschieben sich die Werte im Vergleich zum letztjährigen Sommer; diese lagen bei 19,5 Prozent (günstiger), 70,6 Prozent (gleich bleibend) und 9,9 Prozent (ungünstiger).

Am zuversichtlichsten sind die technisch-naturwissenschaftlichen Freiberufler, gefolgt von den rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Freiberuflern und den freien Kulturberufen. Die freien Heilberufe sind verhaltener.

Personalplanung
17,2 Prozent wollen in zwei Jahren mehr Mitarbeiter beschäftigen, 69 Prozent rechnen damit, gleich viele Mitarbeiter zu beschäftigen, und 13,8 Prozent befürchten, weniger Mitarbeiter zu haben als heute.

Konjunkturbarometer
In puncto Geschäftsklima weisen die Freien Berufe einen soliden positiven Wert auf und unterscheiden sich darin von der gewerblichen Wirtschaft, die geringere Werte erreicht.

Aktuelle Auslastung der Kapazitäten
24,6 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Kapazitäten bereits überschritten sind. 47,3 Prozent sind zu mehr als 75 bis zu 100 Prozent ausgelastet, 16,8 Prozent zu mehr als 50 bis zu 75 Prozent, 7,3 Prozent zu mehr als einem Viertel bis zur Hälfte und vier Prozent bis zu einem Viertel. Von denjenigen, die überausgelastet sind, sind bei gut der Hälfte die Kapazitäten bis zu einem Viertel überschritten.

Perspektivische Auslastung
Von denjenigen, die noch nicht überausgelastet sind, erwarten 6,1 Prozent, binnen der kommenden sechs Monate, und 7,6 Prozent, innerhalb der nächsten zwei Jahre über 100 Prozent ausgelastet zu sein.

Gründe für Überauslastung
60,9 Prozent führen dies auf fehlende Fachkräfte und 14,3 Prozent auf fehlende weitere Mitarbeiter zurück. Für 57,2 Prozent der Befragten gründet die bestehende Überauslastung in einer zu hohen Nachfrage.

Die freiberufliche Selbstständigkeit beeinflussende Faktoren
Hier rangieren mit 43,6 Prozent die politischen Rahmenbedingungen auf Platz eins, gefolgt von der Herausforderung, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden (38,5 Prozent). Die Einwirkungen der Digitalisierung auf ihr Geschäftsfeld ist lediglich für 18,8 Prozent der Befragten am dringendsten.

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