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Prof. Dr. Ewer: „Knapp 300.000 Stellen sind bei den Freien Berufen unbesetzt.“

Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts für Freie Berufe hat jeder fünfte Freiberufler hat offene Stellen. In Summe sind knapp 300.000 Stellen unbesetzt. Fort‐ und Weiterbildung ist die wichtigste Maßnahme gegen Fachkräftemangel.

„Knapp 300.000 Stellen sind bei den Freien Berufen unbesetzt. Der Wettbewerb um kluge Köpfe verschärft sich im Zuge des demografischen Wandels. Bei den Freiberuflern wirkt sich dieses Phänomen noch intensiver aus. Denn die Freien Berufe sind ein Wachstumssektor, das belegen durchgängig steigende Zahlen der selbstständigen Freiberufler, ihrer sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und ihres Anteils am Bruttoinlandsprodukt. Allein dadurch nimmt der Personalbedarf naturgemäß zu“, so BFB-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Ewer zu den Ergebnissen einer Umfrage zu Fachkräftesicherung und Nachwuchsgewinnung.

„Ortsunabhängig hat jeder fünfte Freiberufler offene Stellen und für die Hälfte ist die Suche durchweg schwierig. Vom Fachkräftemangel besonders betroffen sind Freiberufler in Kleinstädten. Insbesondere dort wie auch in Metropolregionen erwarten die befragten Freiberufler bis 2021 überdies einen besonders stark steigenden Bedarf. Diesen letztlich nicht decken zu können, befürchten vor allem Freiberufler in Landgemeinden. In Metropolregionen ist der Druck am niedrigsten.

Besonders häufig fehlen Freiberuflern angestellte Fachkräfte/Berufsträger und mehr als die Hälfte der Befragten erhalten zu wenige Bewerbungen für ihre Angebote. Wenn auch in abweichender Reihenfolge, gerade in Landgemeinden und Kleinstädten nennen die Freiberufler als Grund für Besetzungsprobleme überdurchschnittlich oft die mangelnde Attraktivität des Standorts, fehlende Kinderbetreuung und nicht vorhandene berufliche Perspektiven für Ehepartner. In Metropolregionen stechen neben schlichten Absagen von Bewerbern zu hohe Wohnkosten hervor.

Wenn bei Freiberuflern Mitarbeiter ausscheiden, ist per se die Familienplanung dafür die häufigste Ursache. Betrachtet nach Ortsgrößen fällt auf, dass in Landgemeinden die Weiterqualifikation überdurchschnittlich ursächlich ist, in Kleinstädten ein Branchenwechsel, in Mittelstädten wie auch Metropolregionen reduzierte Pendelzeiten und in Großstädten Abwerbung.

Beim Finden von Mitarbeitern führen allerorten insbesondere persönliche Kontakte zum Erfolg. In kleineren Orten spielen bei der Suche überdies Praktika eine besondere Rolle. In größeren Städten werden die genutzten Wege vielfältiger.

Bei den Maßnahmen ist Fort- und Weiterbildung grundsätzlich top. Besonders ausgeprägt ist es, dass in Landgemeinden ältere Arbeitnehmer überdurchschnittlich gefördert werden und Zeitarbeit in Metropolregionen mehr angesagt ist als andernorts.

Für die Freien Berufe sind die Ergebnisse auch im Stadt-Land-Vergleich wertvoll, um die Situation bei sich vor Ort einzuordnen und maßgeschneidert gegensteuern zu können. Darüber hinaus kann die Politik Handlungsbedarf identifizieren. Etwa in puncto Kinderbetreuung, da es besonders auffällig ist, dass so viele Mitarbeiter wegen ihrer Familienplanung ausscheiden. Hier sind die Freien Berufe als Arbeitgeber gefragt, ihre Mitarbeiter an sich zu binden, etwa indem sie attraktive Optionen für flexible Arbeitszeiten ermöglichen. Dafür muss aber die Politik entsprechende Leitplanken montieren und ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten schaffen. Hier haben die Freiberufler sonst nur das Ventil, Kinderbetreuung in örtlichen Netzwerken selbst zu organisieren.

Kinderbetreuung ist ein Baustein dafür, dass Menschen überall in Deutschland gut leben können. Diesen Ansatz spiegelt die Debatte über gleichwertige Lebensverhältnisse, auf die der Gesetzgeber nach Maßgabe des Grundgesetzes hinwirken soll. Dabei kommt den Freien Berufen als Säule der Daseinsvorsorge eine zentrale Rolle zu. Schließlich sind sie tief in die Gesellschaft verwobene Local Player und Nahversorger erster Güte: Auf 1.000 Einwohner kommen 17,3 selbstständige Freiberufler. Für Handwerksbetriebe liegt der Wert bei 12,1.

Entscheidend für die zukunftsfähige Entwicklung in ländlichen Räumen ist der Anschluss an die Wissensgesellschaft. Damit innovative Unternehmen auch auf dem Land heimisch werden und nicht nur in den Metropolen, brauchen wir eine regionale Daseinsvorsorge und Bildungsstruktur. Wir Freien Berufe leisten unseren Beitrag dazu, sind ein wertvoller Standortfaktor“, so Prof. Dr. Ewer.

 

Für den BFB führte das Institut für Freie Berufe (IFB) im vierten Quartal 2019 eine repräsentative Umfrage unter rund 800 Freiberuflern durch. Der Sonderteil zu ‚Fachkräftesicherung und Nachwuchsgewinnung‘ wurde jetzt gesondert ausgewertet, mit folgenden Ergebnissen, die teilweise auch für Landgemeinden unter 5.000 Einwohner, Kleinstädte über 5.000 bis 10.000 Einwohner, Mittelstädte über 10.000 bis 100.000 Einwohner, Großstädte über 100.000 Einwohner und zusätzlich für Metropolregionen ausgewiesen werden.

Ergebnisse im Einzelnen:

  1. Offene Stellen

20,7 Prozent der befragten Freiberufler haben derzeit mindestens eine offene Stelle. Davon haben 60,8 Prozent eine offene Stelle, 31,9 Prozent zwei, 4,4 Prozent drei und 2,9 Prozent mehr als drei offene Stellen. In Kleinstädten haben 44,1 Prozent der befragten Freiberufler mindestens eine offene Stelle, in Mittelstädten 26,9 Prozent, in Großstädten 17,2 Prozent, in Metropolregionen 14,9 Prozent und in Landgemeinden 6,7 Prozent.

  1. Prognose 2021

26 Prozent der befragten Freiberufler schätzen, 2021 einen höheren Personalbedarf zu haben als heute, 63,8 Prozent denken, er bleibt gleich und 10,2 Prozent meinen, er fällt geringer aus. Mit einem höheren Bedarf rechnen in Kleinstädten 59,3 Prozent, in Metropolregionen 33,6 Prozent, in Mittelstädten 27,7 Prozent, in Großstädten 11,9 und in Landgemeinden 11,7 Prozent der befragten Freiberufler.

  • Nach Berufsgruppen

Bei angestellten Fachkräften und Berufsträgern fällt der künftige Bedarf in Kleinstädten mit 43,2 Prozent am höchsten aus, gefolgt von Metropolregionen mit 37,7 Prozent. Bei Auszubildenden ist er mit 30,3 Prozent in Kleinstädten am höchsten, gefolgt von Metropolregionen mit 29,3 Prozent.

  • Schwierigkeiten

Sechs Prozent der befragten Freiberufler erwarten sehr große, 39,1 Prozent eher große, 25,7 Prozent eher geringe und 29,2 Prozent keine Schwierigkeiten dabei, Personal zu finden. Der Druck ist für Freiberufler in Landgemeinden am höchsten, gefolgt von Mittelstädten, Großstädten, Kleinstädten und Metropolregionen.

  1. Schwierigkeiten grundsätzlich/aktuell

48,8 Prozent der befragten Freiberufler haben aktuell Schwierigkeiten, 51,2 Prozent nicht. Das trifft Freiberufler in Kleinstädten am intensivsten. Hier haben 66,1 Prozent akut Probleme. In Landgemeinden sind es 49,6 Prozent, in Mittelstädten 48,5 Prozent, in Großstädten 46,0 Prozent und in Metropolregionen 42,2 Prozent.

  • Nach Berufsgruppen

Aufgefächert nach Berufsgruppen ist es mit 63,1 Prozent am schwierigsten, Fachkräfte/Berufsträger zu finden, 4,3 Prozent der befragten Freiberufler geben an, dass dies für Auszubildende zutrifft. Probleme bei der Stellenbesetzung bei angestellten Fachkräften und Berufsträgern verzeichnen insbesondere Freiberufler in Mittelstädten. Bezogen auf die Berufsgruppen geben 76,1 Prozent an, dass diese am problematischsten zu besetzen sind. Es folgen Kleinstädte mit 69 Prozent. Mühsam ist die Suche nach Auszubildenden vor allem in Großstädten. Hier liegt der Wert bei 9,3 Prozent gefolgt von Kleinstädten mit 8,6 Prozent.

  • Ursachen

Gefragt nach dem Grund, entfallen 53,4 Prozent aller Nennungen auf zu wenige Bewerbungen, 48,3 Prozent auf unzureichende Qualifikationen, 26,1 Prozent auf abweichende Gehaltsvorstellungen, 24,4 Prozent auf mangelnde Berufserfahrung, 13,4 Prozent auf den Faktor unattraktiver Standort, 12,1 Prozent auf zu hohe Wohnkosten, 10,9 Prozent auf Absagen der Bewerber, 9,9 Prozent auf fehlende Kinderbetreuung und 4,8 Prozent auf die nicht vorhandene berufliche Perspektive für Ehepartner.

Nach Ortsgröße und bewertet im Vergleich zum Mittelwert

In Landgemeinden sehen die befragten Freiberufler im Vergleich zum Mittelwert die Attraktivität des Standorts häufiger als Problem, gefolgt von fehlender Kinderbetreuung und der nicht vorhandenen beruflichen Perspektive für Ehepartner.
In Kleinstädten gilt dies für die nicht vorhandene berufliche Perspektive für Ehepartner, gefolgt von den Faktoren unattraktiver Standort und fehlende Kinderbetreuung.
In Mittelstädten trifft dies zu auf Absagen der Bewerber, gefolgt von zu wenigen Bewerbungen und mangelnder Qualifikation.
In Großstädten ist dies bei mangelnder Qualifikation der Fall, gefolgt von zu wenig Bewerbungen und mangelnder Berufserfahrung.
In Metropolregion ist dem so bei Absagen von Bewerbern, gefolgt von zu hohen Wohnkosten und mangelnder Berufserfahrung.

  1. Maßnahmen

Bei den Gegenmaßnahmen steht mit 41,8 Prozent aller Nennungen ganz oben, die Fort- und Weiterbildung zu stärken, 28,4 Prozent der befragten Freiberufler nehmen weniger Aufträge an, 27,8 Prozent bauen Teilzeit aus, 23,1 Prozent passen zum Ausgleich Arbeitsfelder ihrer Mitarbeiter an, 21,8 Prozent fördern gezielt ältere Arbeitnehmer, 6,8 Prozent qualifizieren Jugendliche ohne Berufsabschluss und ein Prozent stellt Zeitarbeiter ein.

Nach Ortsgröße und bewertet im Vergleich zum Mittelwert
In Landgemeinden weichen die Werte für die gezielte Förderung älterer Arbeitnehmer am positivsten vom Mittelwert ab, gefolgt davon, weniger Aufträge anzunehmen.
In Kleinstädten gilt dies für die Fort- und Weiterbildung, gefolgt von mehr Teilzeitoptionen und neu zugeschnittenen Aufgabenbereichen für Mitarbeiter.
In Mittelstädten trifft dies zu für die Förderung älterer Arbeitnehmer, gefolgt von mehr Teilzeitangeboten und einer gestärkten Fort- und Weiterbildung.
In Großstädten ist dies der Fall bei der Qualifizierung Jugendlicher ohne Berufsabschluss, gefolgt von mehr Teilzeitoptionen und neu zugeschnittenen Aufgabenbereichen für Mitarbeiter.
In Metropolregionen ist dem so bei der Option Zeitarbeit, gefolgt von neu zugeschnittenen Aufgabenbereichen für Mitarbeiter und weniger angenommenen Aufträgen.

  1. Wechsel/Ausscheiden von Mitarbeitern

Bei den Gründen führt die Familienplanung mit 33,4 Prozent Prozent aller Nennungen das Ranking an, gefolgt vom Alter mit 27,1 Prozent, finanziellen Gründen mit 21,3 Prozent, Abwerbung mit 18,3 Prozent, Weiterqualifikation mit 12,5 Prozent, Branchenwechsel mit 12,0 Prozent und reduzierter Pendelzeit mit 11,7 Prozent .

Nach Ortsgröße und bewertet im Vergleich zum Mittelwert
In Landgemeinden weichen die Werte für die Weiterqualifikation am positivsten vom Mittelwert ab, gefolgt von finanziellen Gründen.
In Kleinstädten gilt dies für einen Branchenwechsel, gefolgt von Abwerbung und Familienplanung.
In Mittelstädten trifft dies zu für reduzierte Pendelzeit, gefolgt von Alter und Weiterqualifikation.
In Großstädten ist dies der Fall bei Abwerbung, gefolgt von Weiterqualifikation und Familienplanung.
In Metropolregionen ist dem so für reduzierte Pendelzeit, gefolgt von Abwerbungen und Alter.

  1. Suchwege Top Five

Persönliche Kontakte sind mit weitem Abstand erste Wahl, gefolgt von Praktika, Online-Stellenbörsen, Agentur für Arbeit/Jobcenter und sozialen Netzwerken.

  1. Sucherfolg Top Five

Persönliche Kontakte sind mit weitem Abstand am erfolgreichsten,

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