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„Berufliche Bildung darf nicht das Stiefkind der Bildungspolitik sein“

BFB-Hauptgeschäftsführer Peter Klotzki findet anlässlich des 30. Geburtstages der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung deutliche Worte und warnt vor „Zwei-Klassen-Bildungspolitik“

Berlin, 16. Juni 2026. Während über BAföG, Hochschulfinanzierung und akademische Exzellenzprogramme intensiv diskutiert wird, droht die berufliche Bildung erneut ins Hintertreffen zu geraten. Am heutigen Dienstag feiert die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) in Bonn ihr 30-jähriges Bestehen – eine Beteiligung der Bundesregierung erfolgt per Videobotschaft. Peter Klotzki, Festredner des Jubiläums und Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe, kritisiert in seiner Rede die zurückgegangene politische Aufmerksamkeit für einen Bildungsbereich, der für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands unverzichtbar ist. Während die Bedeutung der dualen Ausbildung regelmäßig hervorgehoben werde, fehle es weiterhin an Sichtbarkeit, Priorität und konkreten Verbesserungen für Auszubildende.

„Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung darf kein bloßes Lippenbekenntnis in Sonntagsreden sein. Sie muss gelebte Realität werden. Gerade dort, wo die Weichen für die Zukunft gestellt werden“, sagt BFB-Hauptgeschäftsführer Peter Klotzki. „Berufliche Bildung darf nicht das Stiefkind der Bildungspolitik sein.“

Talentförderung in der beruflichen Bildung erhalten

Die SBB ist die einzige Begabtenförderungseinrichtung für die berufliche Bildung in Deutschland. Ihr stehen 13 Förderwerke für Studierende gegenüber. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung mit ihren Programmen mehr als 180.000 junge Menschen gefördert und begleitet.

Für den BFB steht die Entwicklung der beruflichen Bildung exemplarisch für eine bildungspolitische Schieflage. Während die Zahl der Studierenden seit den 1990er Jahren deutlich gestiegen ist, geht die Zahl der Auszubildenden zurück. Gleichzeitig klagen Wirtschaft und Gesellschaft über einen historischen Fachkräftemangel.

„Als Berufsbildungscommunity dürfen wir diesen Trend nicht länger nur verwalten, wir müssen ihn aktiv umkehren“, betont Klotzki. „Wir müssen das Image der Ausbildung vom Plan B zu einem zweiten Plan A aufwerten. Die duale Ausbildung ist der Königsweg und die Antwort auf die Fachkräfteproblematik.“

Besonders kritisch bewertet der Verband die Unsicherheit rund um Förderprogramme für leistungsstarke Auszubildende. Das Programm „Talente in der Ausbildung“ (TidA), das erstmals Stipendien für Auszubildende ermöglicht, steht nach Auslaufen der Pilotphase vor einer ungewissen Zukunft.

„Das BAFF/TidA-Programm ist ein Paradigmenwechsel. Die Auszubildenden verdienen auch Stipendien, genauso wie für Studierende Stipendien selbstverständlich sind“, so Klotzki. „Ein möglicher Stopp wäre ein gefährliches Signal an die Talente von morgen und würde das Bild einer Zwei-Klassen-Bildungspolitik weiter zementieren.“

Weitere Verbesserungen gefordert

Der BFB fordert darüber hinaus konkrete Verbesserungen der Ausbildungsbedingungen. Dazu gehören der Erhalt von Berufsschulstandorten, mehr Azubiwohnheime sowie eine deutliche Entlastung bei Mobilitätskosten.

„Es ist ungerecht, dass Studierende von günstigen Semestertickets profitieren, während Auszubildende oft hohe Pendelkosten zur Berufsschule und zum Betrieb selbst tragen müssen“, sagt Klotzki. „Mobilität im Nahverkehr muss für Azubis kostenlos oder drastisch vergünstigt sein.“

Freie Berufe abhängig von starker Ausbildung

Die Bedeutung der Ausbildung für die Freien Berufe ist erheblich. Rund 129.000 junge Menschen absolvieren hier derzeit ihre Ausbildung. Der Wirtschaftszweig verantwortet neun wesentliche Ausbildungsberufe, darunter Medizinische Fachangestellte und Zahnmedizinische Fachangestellte – zwei der drei beliebtesten Ausbildungsberufe junger Frauen in Deutschland. Hinzu kommen unter anderem Rechtsanwaltsfachangestellte, Notarfachangestellte, Steuerfachangestellte sowie bautechnische Berufe.

Der Spitzenverband, der insgesamt ca. 6,3 Millionen Erwerbstägige in und bei den Freien Berufen vertritt, fordert deshalb einen politischen Neustart für die berufliche Bildung. „Die Probleme sind bekannt. Jetzt müssen wir sie auch angehen“, so Klotzki. „Berufliche Bildung ist kein Randthema. Sie entscheidet über Fachkräfte, wirtschaftliche Stärke, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.“

Über den BFB:

Der Bundesverband der Freien Berufe e. V. (BFB) vertritt als einziger Spitzenverband der freiberuflichen Kammern und Verbände die Interessen der Freien Berufe, darunter sowohl Selbstständige als auch Angestellte, in Deutschland. Allein die rund 1,49 Millionen selbstständigen Freiberuflerinnen und Freiberufler steuern rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Sie beschäftigen knapp 4,8 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – darunter knapp 129.000 Auszubildende. Die Bedeutung der Freien Berufe für Wirtschaft und Gesellschaft geht jedoch weit über ökonomische Aspekte hinaus: Die Gemeinwohlorientierung ist ein Alleinstellungsmerkmal der Freien Berufe.

Der BFB online:

Web: www.freie-berufe.de
LinkedIn: www.linkedin.de/company/bundesverband-der-freien-berufe
Podcast „Klotzki und Sigmund“: https://open.spotify.com/show/3kou6SA60SDyUpDbZVdm9e

Ihr Ansprechpartner:

Luca Samlidis
Head of Media | Pressesprecher
luca.samlidis@freie-berufe.de
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