Mitgliedermitteilungen

BFB-Neujahrsempfang 2018

Prof. Dr. Haucap spiegelt politische Agenda an Megatrends Globalisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel

Zum Jahresauftakt hat der BFB am 17. Januar 2018 zum Neujahrsempfang in die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft in Berlin geladen. Weit über 230 Gäste, darunter Abgeordnete des Deutschen Bundestages sowie Vertreter der Bundesressorts und Landesvertretungen, hochrangige Repräsentanten der BFB-Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Wirtschaftsverbände, sprechen für die erneut große Resonanz. Diese war auch dem Festredner des Abends, Prof. Dr. Justus Haucap, Direktor des Duesseldorf Institute für Competition Economics, zu verdanken.

BFB-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Ewer präsentierte bei seiner Eröffnung Ergebnisse einer bis dato unveröffentlichten Analyse des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Deren Fazit lautet: Freie Berufe sind bestandsfester als die Gesamtwirtschaft. „Deutlich mehr als die Hälfte der freiberuflichen Gründer mit mindestens einem Mitarbeiter sind nach fünf Jahren noch am Markt. Das ist ein Vorsprung von zehn Prozentpunkten auf die Gründungen in der Gesamtwirtschaft“, so Prof. Dr. Ewer.

Seine weiteren Ausführungen galten den politischen Impulsen für die Freien Berufe, die das Jahr 2018 bereithält. Während am Profil einer nächsten Bundesregierung noch gefeilt werde, verharre die Europäische Kommission auf ihrem Deregulierungskurs. Beim Dienstleistungspaket bleibe der BFB hartleibig: „Verbraucher-, Patienten- und Mandantenschutz dürfen gegenüber ökonomischen Politikzielen nicht ins Hintertreffen geraten. Wenn Europa Qualitätswettbewerb und nachhaltiges Wachstum will, dann setzt das bei freiberuflichen Dienstleistungen eben Regulierung voraus“, so Prof. Dr. Ewer. Seinen Dank an die Fürsprecher des freiberuflichen Rechtsrahmens in Bundesregierung und Parlament verband er mit der Bitte, sich auch weiterhin dafür starkzumachen.

Zu den eigenen Akzenten, die der BFB im Jahr 2018 setzen wird, zählen vor allem das Gemeinwohl und die Digitalisierung. Beim Gemeinwohl werde künftig verstärkt deutlich gemacht, was sich hinter dem Begriff, der heute so manchem etwas aus der Zeit gefallen klingen mag, verbirgt. Auch bei der Digitalisierung richte der BFB den Blick nach innen und „reflektiere, wie die Digitalisierung unsere Berufsausübung beeinflusst, negativ wie positiv“, so Prof. Dr. Ewer.

Prof. Dr. Haucap skizzierte in seiner Rede die wirtschaftspolitischen Herausforderungen für Deutschland entlang der drei Megatrends Globalisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel. Daran spiegelte er das Sondierungspapier der wahrscheinlich neuen alten Großen Koalition. Positiv seien die Passagen zum Freihandel und zu Bildungs- und Weiterbildungsinvestitionen. Kritisch sei aber, dass die Neuauflage von Schwarz-Rot plane, trotz finanzieller Spielräume die Bürger mit lediglich zehn Milliarden Euro zu entlasten. Auch werde mit der anvisierten Systematik zum Solidaritätszuschlag die kalte Progression indirekt verschärft. In puncto Rente mahnte er eine grundlegende Reform an, die dem demografischen Wandel Rechnung trägt.

Prof. Dr. Haucap begrüßte, dass der BFB die Digitalisierung zu einem seiner Jahresthemen 2018 macht. Beim E-Government sieht er Verbesserungspotenzial. Beim Breitbandausbau sei es wichtig, die Kapazitäten auch wirklich zu nutzen. Dies aber verhinderten regulatorische Barrieren und die fehlende Nachfrage nach digitaler Kapazität.

In Anlehnung der durch sein Institut für den BFB erstellten Studie „Aspekte der Deregulierung bei den Freien Berufen“ stellte er fest, dass eine Weiterentwicklung des ordnungspolitischen Rahmens im Zeitalter der Digitalisierung geboten sei. Doch er warnte davor, das Kind mit dem Bade auszuschütten. „Evidenzbasierte Politik muss Vor- und Nachteile – basierend auf verfügbaren Fakten – abwägen. Ein gewisses Maß an Regulierung ist aufgrund der besonderen Eigenschaften der freiberuflichen Vertrauensgütermärkte durchaus sinnvoll. Wirtschaftliche Maßzahlen wie Produktivität oder Wertschöpfung funktionieren dort aber nicht“, so Prof. Dr. Haucap. Der freiberufliche Rahmen müsse auch angesichts einer sich wandelnden Gesellschaft regelmäßig überprüft werden, das aber dürfe auf keinen Fall disruptiv erfolgen.

Die Veranstaltung wurde unterstützt von der Deutschen Anwalt- und Notar-Versicherung – Sonderabteilung der ERGO Lebensversicherung AG, der Deutschen Apotheker- und  Ärztebank, der DATEV eG und dem Verlag des wissenschaftlichen Instituts der Steuerberater GmbH.

 

Fotogalerie
Nach oben scrollen